Grundsätzliches zur Pflanzenschutztechnik

Dienstag, den 08. Januar 2013 um 11:31 Uhr Dirk Herdieckerhoff
Drucken

 

Grundsätzliches zur Pflanzenschutztechnik


Johannisbeeren werden, ob Bio oder im konventionellen Bereich, mit Spritzgeräten durchfahren.

Dabei gibt es Geräte mit und ohne Luftunterstützung.

 

Kleinere Pflanzen können z.B mit einer Dreidüsengabel optimal benetzt werden.

Luftunterstützte Spritzen werden in verschiedenen Bauformen und Arbeitsbreiten angeboten. Allen gemein ist , das der Luftstrom die Tropfen mitnimmt und die Laubwand der Pflanzen besser durchdrungen werden soll.

Der Strauch ordnet seine Blätter fächerförmig an, damit die Oberfläche jedes Blattes optimal zur Sonne ausgerichtet ist.

 

Wenn ein Blatt seitlich von der Luft angeströmt wird, hebt es sich an und zeigt die Blattunterseite in den Luftstrom.

Wird der Luftstrom schneller , verkleinert das Blatt seine Projektionsfläche und macht das Anlagern von Tröpchen schwieriger.

Diese Aufnahmen zeigen die Reaktion eines Blattes bei Luftgeschwindigkeiten von 8 und 16 m/s.

 

Die Blattunterseite zu benetzen ist deshalb gut, weil viele Schadorganismen gerade dort sitzen. Z.B.

Läuse, Spinnmilben, Stachelbeermehltau oder Säulenrost. Denen bietet das Blatt nicht nur Nahrung , sondern auch einen Sonnenschirm. Die Blattfallkrankheit befällt von der Oberseite aus.

 

Das Spritzgerät einstellen

Um ein gutes Ergebnis zu erzielen muß der Johannisbeeranbauer die Luftgeschwindigkeit, den Düsenausstoß, Düsentyp, Fahrgeschwindigkeit usw , seinen Sträuchern anpassen.

Ziel der Einstellung muß es sein , die komplette Wassermenge auf der Oberfläche der Pflanze gleichmäßig unterzubringen.

Brühe , die von überbenetzten Blättern zu Boden tropft, oder Tropfen die auf der anderen Buschseite austreten sind verloren und dadurch versenktes Geld.

Man kann das Gerät mit unterschiedlichen Düsen bestücken !

Bei unseren Versuchen haben sich im 4 jährigen Bestand Luftgeschwindigkeiten um 10 m/s als ausreichend erwiesen.


Bei mehr Luft bläst man die Tropfen eher durch als in den Busch. Gemessen habe wir mit diesem Gerät (kostet etwa 50€) , und immer direkt am Blatt.

Benetzungsprobe

Um die Benetzung der Blätter vernünftig zu beurteilen , muß man sich wassersensitives Papier beschaffen.

Am besten bittet man den Pflanzenschutzlieferanten um ein Päckchen. Das Papier wird mit einer Büro- oder Wäscheklammer im Strauch befestigt. Es färbt sich blau wo es von einem Tropfen getroffen wird.

Die hier gezeigte Benetzung reicht nicht aus.

 

Nebenversuch

Bei der Gelegenheit wollten wir noch feststellen ob eine zu starke Windgeschwindigkeit Blüten abbläst und dadurch ertragsschädlich ist.

Dazu haben wir den Boden mit einer Siloplane abgedeckt, und sind dann mit verschiedenen Gebläseeinstellungen am Versuch entlanggefahren. Abgeblasene Blüten haben wir gesammelt und gezählt.

Um zu einer Aussage zu kommen , müssen wir noch die Besonderheiten des Johannisbeerstrauchs berücksichtigen.

Während der Blüte hängen stets unterschiedlich weit entwickelte Fruchtansätze am Strauch. Ein Teil davon wird erfahrungsgemäß verrieselt. Bei nasskalter Witterung mehr.

Die Pflanze verliert Fruchtansätze indem das Rispengewebe (der Stiel) vor dem Fruchtknoten abstirbt.

Auf dem Bild unten ist zu sehen, dass der untere Fruchtknoten an einem gesunden grünen Stiel hängt , während die beiden oberen einen dünneren rosa gefärbten Stiel aufweisen. Unter dem Mikroskop erkennt man , daß das Stielgewebe von rosa Adern durchzogen ist. Die Farbe scheint die gleiche zu sein , die auch auf den 5 Blütenblättern zu finden ist. Auf jeden Fall werden die Fruchtknoten noch abfallen.

Beim Auszählen abgeblasener Fruchtansätze muß also unterschieden werden ob sie an einem gesunden oder kranken Stiel hängen.

 

Ergebnis :

Bei unseren Versuchen bei einer Fahrgeschwindigkeit von 6,5 km/h und einem Gebläseluftstrom von 20 m/s am Blatt haben wir keine Fruchtknoten mit gesundem Stiel gefunden.


Verrieseln ist anders als Frostschaden

Um den Unterschied deutlich zu machen sind hier noch zwei Bilder eines Frostschadens. Die Blüten sind braun und abgestorben. Weiter entwickelte Früchte können bei Temperaturen unter -7°C ebenfalls absterben. Sie werden hellbraun, glasig und fallen dann ab. Diese Aufnahmen wurden im Frühjahr 2012 im Raum Heilbronn gemacht.

 

Zusammenfassung

Bald beginnt die neue Saison, und die Anbauer werden ihre Geräte auswintern. Mit wenig Aufwand kann man die Spritze den Beständen anpassen.

Spätestens wenn der neue „TÜV“ Stempel fällig wird sollte man sich damit beschäftigen. Je größer die Sträucher sind, desto eher macht ein Gebläsegerät Sinn.
Und, keine Sorge, gesunde Fruchtknoten fallen so leicht nicht ab.

 

Text und Bilder : Dirk Herdieckerhoff

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 19. März 2014 um 11:17 Uhr